 | | Nikon D4 | Nikon wird mit der D4 im Februar 2012 eine komplett überarbeitete Profi-DSLR auf
den Markt bringen. Gegenüber der D3S wurden praktisch alle relevanten
Eigenschaften überarbeitet und verbessert: Das abgedichtete Magnesiumgehäuse
soll besser in der Hand liegen und ist etwas leichter geraten, das
Autofokusmodul wurde verbessert und der Belichtungsmesser verfügt nun über die
90-fache Menge an Messpunkten. Der neue FX-CMOS-Sensor löst 16,2 Megapixel auf,
ihm zur Seite steht ein leistungsfähigerer Bildprozessor, mit dessen Hilfe die
D4 elf Bilder pro Sekunde aufnimmt. Deutlich überarbeitet hat Nikon die
Videofunktion, außerdem kommt in der D4 erstmals das neue
XQD-Speicherkartenformat zum Einsatz.
Mit der D3 präsentierte Nikon im Sommer 2007 erstmals eine Vollformat-DSLR, die seit
Herbst 2009 als leicht überarbeitete D3S unterwegs ist. Mittlerweile ist die
3er-Serie arg in die Jahre gekommen und es wurde höchste Zeit für eine
zeitgemäße Profi-DSLR aus dem Hause Nikon. Sie kommt nun in Form der heute
vorgestellten D4. Nikon hat viel Entwicklungsarbeit in das Nachfolgemodell D4
investiert und dafür eifrig Feedback von Profifotografen gesammelt, um
insbesondere deren Bedürfnisse zu befriedigen. Ganz oben auf der Wunschliste der
Profis stand eine verbesserte Ergonomie. Nikon trägt dem mit einem neu geformten
Hochformatgriff Rechnung, der die D4 deutlich besser in der Hand liegen
lässt.
Dennoch ist das Querformat ergonomisch nach wie vor vorzuziehen, wie wir bei
einem ersten Hands-On feststellen konnten. Darüber hinaus hat das Gehäuse
gegenüber der D3S 60 Gramm an Gewicht eingebüst, besteht aber weiterhin aus
einer widerstandsfähigen Magnesiumlegierung und ist mittels Gummidichtungen
gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Eine spezielle Thermo-Farbbeschichtung
sorgt für geringeres Aufheizen bei Sonneneinstrahlung, einige Kameratasten sind
bei der D4 im Dunkeln aktiv beleuchtet.
Überarbeitet wurden auch die Schnittstellen, so verfügt die D4 nun über einen
separaten Anschluss für das neue WLAN-Modul WT-5, das darüber hinaus deutlich
kompakter als das Vorgängermodell ausfällt. Die Universalschnittstelle bleibt
damit nun für den Anschluss des GPS-Moduls GP-1 neben dem Wirelessmodul frei.
Außerdem lassen sich IPTC-Daten in die Aufnahmen integrieren. Der WT-5 wird über
die Kamera mit Strom versorgt und bietet schnelles WLAN nach n-Standard, aber
auch die älteren Standards a, b und g werden
unterstützt. Eine http-Schnittstelle erlaubt die Übertragung zu mobilen Geräten
wie Tablet-PCs und Smartphones sowie die Steuerung elementarer Kamerafunktionen
wie die Foto- oder Videoaufnahme. Speziell für das iPhone soll es darüber hinaus
eine Remote-APP zur Steuerung der D4 geben. Neu ist auch die Möglichkeit, bis zu
zehn Kameras synchron drahtlos via WLAN auszulösen. Eine weitere neue
Schnittstelle wendet sich vor allem an Studiofotografen: Die D4 verfügt über
einen LAN-Anschluss im weit verbreiteten Steckerformat RJ-45. Darüber lässt sich
die Kamera steuern und kann Aufnahmen direkt auf den Rechner übertragen.
Benötigt wird dafür die optional erhältliche Software Nikon Camera Control Pro
2. Sie erlaubt in der neuen Version unter anderem die Steuerung des LiveView
inklusive Umschaltung zwischen Foto- und Videomodus und kann Filmaufnahmen
starten und stoppen.
Herzstück der D4 ist ein brandneuer CMOS-Bildsensor im 36 x 24 Millimeter
großen FX-Format. Er löst 16,2 Megapixel auf und bietet dennoch einen größeren
Empfindlichkeitsbereich als noch die D3S: ISO 100 bis 12.800 ist der
Standardbereich, der sich auf Lo1 entsprechend ISO 50 bis Hi4 entsprechend ISO 204.800 erweitern lässt.
Die erhöhte Auflösung bedeutet dabei keineswegs erhöhtes Rauschen – im
Gegenteil, Nikon konnte das Rauschen durch ein neues Sensorlayout und neue
Fertigungstechnologien sogar verringern. Entwickelt hat Nikon den Sensor selbst,
lässt ihn aber bei Auftragsherstellern mit Nikon-Werkzeugen fertigen.
Dem Sensor zur Seite steht der leistungsfähige Bildprozessor Expeed 3. Er
verbessert dank 16 Bit Datenverarbeitung nicht nur das Rauschverhalten, sondern
erhöht auch den Dynamikumfang und sorgt für eine verbesserte Wiedergabe von
Hauttönen. Außerdem erlaubt der neue Bildprozessor eine Aufnahmegeschwindigkeit
von elf Bildern pro Sekunde bei voller Auflösung. Soll der Autofokus aktiv
nachgeführt werden, sinkt die Serienbildrate auf 10 Bilder/s. Um diese zu
speichern, sind indes schnelle Speicherkarten nötig. Zwar rüstete Lexar die
CompactFlash-Geschwindigkeit mit einer 1000x-Speicherkarte gerade auf, aber
dennoch gerät das CF-Format an seine elektronischen Grenzen, die das kürzlich
neue vorgestellte XQD-Speicherkartenformat sprengen wird (siehe weiterführende
Links). Die D4 besitzt einen Doppelkartenslot und nimmt zusätzlich zu einer
CF-Karte auch eine XQD-Karte auf. Letztere erlaubt dank ihres schnelleren
Bussystems bis zu 200 JPEG-Aufnahmen oder 100-RAW-Aufnahmen in schneller Serie
bei 11 Bildern pro Sekunde. Um der damit einhergehenden mechanischen Belastung
Rechnung zu tragen, hat Nikon den Verschluss überarbeitet – er soll nun
mindestens 400.000 Auslösungen überstehen. Die Auslöseverzögerung konnte Nikon
darüber hinaus auf 42 Millisekunden verringern.
Ebenfalls renoviert wurde der Bildschirm, der auf üppige 3,2 Zoll (8
Zentimeter) in der Diagonale angewachsen ist, aber weiterhin 921.000 Bildpunkte
auflöst. Das neue Display bietet einen größeren Farbraum als das der D3S und
soll nun den kompletten sRGB-Farbraum abdecken. Außerdem konnten die
Bildschirmreflexionen verringert werden und die Helligkeit regelt sich nun
automatisch. Beibehalten wurde der große Pentaprismasucher mit 100 Prozent
Bildfeldabdeckung und 0,7-facher Vergrößerung, 18 Millimeter Austrittspupille
und Dioptrienausgleich.
Im Sucher sind die Randbereiche für kleinere Aufnahmeformate, etwa Crop 1,2 oder das
DX-Format, abschattbar. Außerdem lassen sich Gitterlinien einblenden, die
Autofokusmessfeldanzeigen können als Wasserwaage zur Horizontausrichtung dienen,
die seitliche Belichtungsmesswaage zeigt zusätzlich an, ob die Kamera nach oben
oder unten gekippt ist. Die Wasserwaage ist selbstverständlich auch im
LiveView-Modus auf dem Bildschirm einblendbar. Der Autofokus verfügt weiterhin
über 51 Messfelder, wovon 15 Stück als Kreuzsensoren ausgeführt sind. Neu ist
jedoch die erhöhte Empfindlichkeit von elf der Kreuzsensoren, die nun auch eine
Fokussierung mit F8 erlauben und bereits bei einem Lichtwert von -2 arbeiten.
Interessant wird diese Neuerung beim Einsatz eine Telekonverters. So gibt Nikon
an, dass die D4 mit dem F4/600 mm und 2-fach-Telekonverter, der daraus faktisch
ein F8/1200mm macht, noch einwandfrei fokussieren kann. Geändert wurde auch die
Ansteuerung der Autofokussensoren beim Wechsel von Hoch- auf Querformat, was
insbesondere dann zum Tragen kommt, wenn nur ein Messfeld oder eine Gruppe
aktiviert ist.
Der überarbeitete Videomodus erlaubt bei FullHD-Auflösung von 1.920 x 1.080
Pixeln nun eine Bildwiederholrate von wahlweise 24, 25 oder 30 Bildern pro
Sekunde, bei reduzierter HD-Auflösung von 1.280 x 720 Pixel sind sogar 50 und 60
Bilder pro Sekunde möglich. Gespeichert wird im MOV-Format mit
H.264-Komprimierung, wodurch kompakte Videodateien entstehen. Die maximale
Aufnahmelänge pro Videoclip beträgt 29 Minuten und 59 Sekunden.
Rolling-Shutter-Effekt und Blockartefakte will Nikon minimiert haben. Ohne
Interpolation kann das Bild bis zu 2,7-fach gezoomt werden, bei der maximalen
digitalen Ausschnittsvergrößerung werden also die Sensorpixel nativ 1:1
aufgenommen. Über die HDMI-Schnittstelle lässt sich das Videosignal darüber
hinaus unkomprimiert ausgeben, eine gleichzeitige Speicherung auf der
Kameraspeicherkarte ist dabei jedoch nicht möglich.
Neu ist die mechanische Entkopplung von Spiegel und Irisblende, die sich nun
unabhängig voneinander steuern lassen. Der Spiegel kann ohne Stromverbrauch
hochgeklappt bleiben, während Blende und Filmaufnahme ohne weiteren
Spiegelschlag gesteuert werden können; das gilt auch für Fotoaufnahmen im
LiveView, die nun viel leiser ohne Spiegelschlag möglich sind. Die Blende lässt
sich für Filmaufnahmen in M und A in 1/8-Stufen einstellen; während der Aufnahme
jedoch nur, wenn das Videosignal über die HDMI-Schnittstelle ausgegeben wird,
jedoch nicht, wenn auf die Speicherkarte aufgezeichnet wird. Intern verfügt die
D4 lediglich über ein Mono-Mikrofon, kann aber über den Stereo-Klinkenanschluss
mit einem externen Stereomikrofon, beispielsweise dem Nikon ME-1, aufgerüstet
werden. Die 3,5-Millimeter-Buchse bietet dabei eine Spannungsversorgung für
aktive Mikrofone. Tonaufnahmen lassen sich sowohl mit dem internen als auch mit
externem Mikrofon manuell aussteuern. Über den neuen Kopfhöhreranschluss mit
30-stufiger Lautstärkeregelung kann das Tonsignal kontrollieren werden, auch
eine Line-Input-Option für externe Audio-Aufnahmegeräte existiert. Ebenfalls
nützlich ist die neue Videoaufnahmetaste neben dem Auslöser. Videografen wird
zudem freuen, dass die Kamera jede Filmaufnahme mit bis zu 20 Indexmarkierungen
versehen kann, was den späteren Schnitt am PC erleichtert. Außerdem kann die D4
Zeitrafferaufnahmen anfertigen, die mit Hilfe der Intervallfunktion erzeugt
werden. Die Abspielgeschwindigkeit beträgt dabei wahlweise 24- bis
3.600-fach.
Auch den Belichtungsmesser hat Nikon überarbeitet, er trägt nun den Namen
3D-Color-Matrixmessung III. Der Belichtungsmesssensor verfügt nun über 91.000
statt bisher 1.005 RGB-Messpunkte. Das ermöglicht nicht nur eine noch präzisere
Belichtungsmessung, sondern auch eine verbesserte Objektverfolgung und damit
Autofokusnachführung. Darüber hinaus reicht
Auflösung bereits zum Erkennen von Gesichtern, so dass nun auch bei der
Sucherfotografie die Gesichtserkennung aktiv arbeitet. Außerdem werden mit Hilfe
einer Datenbank die Belichtungs- und Farbmessungen anhand von 30.000
Motivdatensätzen abgeglichen, um sowohl in der Automatik als auch manuellen
Fotografie die Bildaufbereitung weiter zu verbessern.
Zwei praktische Verbesserungen erfährt auch der Weißabgleich. So gibt es nun
zwei Automatikmodi: Einer bietet wie bisher eine möglichst neutrale
Farbwiedergabe, der neue Modus sorgt für stimmungsvolle Farben, die schön
aussehen und der Motivsituation entsprechen. Darüber hinaus ist der Weißabgleich
für das Livebild und die Aufnahme getrennt einstellbar. Nützlich ist das
beispielsweise bei der Studio- oder Blitzfotografie, wenn das Einstell- bzw.
Umgebungslicht nicht der Farbtemperatur des Blitzlichts entspricht. Dadurch
sieht der Fotograf sowohl im Livebild als auch im aufgenommenen Bild neutrale
Farben mit einem korrekten Weißabgleich. Auch die Belichtungskorrektur verfügt
über einen neuen Modus. Während sich die Belichtungskorrektur bisher sowohl auf
das Blitzlicht im Vordergrund als auch auf die Hintergrundhelligkeit gemeinsam
auswirkte und die Blitzbelichtungskorrektur ihrerseits nur auf den Vordergrund
wirkte, gibt es nun einen dritten Modus, bei dem sich die Belichtungskorrektur
nur auf den Hintergrund des Motivs auswirkt. Darüber hinaus gibt es eine
integrierte HDR-Funktion, die zwei Bilder direkt in der Kamera miteinander
verrechnet. Die beiden Bilder werden wahlweise mit 1, 2 oder 3 EV
Belichtungsunterschied aufgenommen und in einer von drei wählbaren Stärkestufen
miteinander verrechnet. Der Verkauf der Nikon D4 startet bereits am 16. Februar
2012 bei ausgesuchten Nikon-Vertriebspartnern, der Preis der Kamera soll 5.930
EUR betragen.
Die Nikon D4 ist eine in allen Belangen
weiterentwickelte Profikamera. Ihre Eckdaten sind folgende:
CMOS-Bildsensor
mit 16,2 Megapixeln im FX-Format
ISO-Empfindlichkeit
von 100 bis 12.800, manuell bis ISO 50 (Lo1) und ISO 204.800 (Hi4)
erweiterbar
Serienbildgeschwindigkeit
von 11 Bildern/s, 100 RAW- oder 200 JPEG-Dateien in Folge
AF-Modul
Multi-CAM3500FX mit 51 Messfeldern
Sucher
mit 100%iger Bildfeldabdeckung
3,2-Zoll-Display
(8 cm Diagonale) mit 922.000 Bildpunkten
Dank
neuer EXPEED-3-Engine sehr schnelle interne 16-Bit-Bildverarbeitung für bessere
JPEG-Daten
D-Movie
(Video) in 1080p mit Bildraten von 30p, 25p und 24p im FX-, DX- und
1080p-Crop-Format erzeugt MOV-Dateien mit H.264/MPEG-4-Codec
Zwei
Slots für CompactFlash- und XQD-Speicherkarten
Unkomprimierte
HDMI-Videoausgabe
Eingebautes
Mono-Mikrofon mit einstellbarer Empfindlichkeit
Anschluss
für ein Stereomikrofon sowie Kopfhörer
HDR-Aufnahme
(erzeugt automatisch ein Bild aus zwei, um bis zu drei Blenden,
unterschiedlichen Belichtungen)
Gewicht:
1340g mit Akku und XQD-Speicherkarte, ohne Objektiv
Nikon D4
Preis: ca. 6'998.-- CHF
Verfügbar: im Frühling
lilon-Aku für 2600 Fotos
|